Manchmal geht etwas verloren. Hier aber eine ganze Menge. Zwei Teile eines Biedermeierbettes sind noch vorhanden. Kopf- und Fussteil haben unten jeweils Zapfen, waren also an einem weiteren Fussteil befestigt. Aus den Seitenteilen soll sich ein Familienmitglied mal Regale gebaut haben, was dieser bestreitet – wie das manchmal so ist…

Das Bett soll also wieder nutzbar gemacht werden. Auf der ersten Skizze sieht man meine Überlegung die Kopfenden an die Seitenwangen „heran zu führen“. Da aber eine nötige Stabilität dadurch kaum zu gewährleisten wäre und ich die vorhandenen Zapfen nutzen wollte, musste eine andere Lösung her. Auch soll das Bett eine vernünftige Sitzhöhe bekommen um auch als Sitzmöbel genutzt werden zu können.

Ich habe dazu vier Beine her gestellt und jeweils zwei mit einer Zarge verbunden. Das Blindholz ist Kiefer, Sperrfunier 1,5mm Mahagoni und als Deckfurnier nahm ich Kirschbaum. Als Basis sitzen unten noch zusätzliche Leisten einmal aus optischen Gründen und um eine Beschädigung des Furniers zu vermeiden.

In Vorzeit wurden offensichtlich verschiedene Bettverbinder genutzt. Die entsprechenden Stellen an den Kopfenden waren zerbohrt und zum Teil ausgebrochen. Das musste mit Kirschholz ausgebessert werden.

Die Seitenteile habe ich aufgebaut wie die Füsse. Das Deckfurnier senkrecht, wie im Biedermeier üblich.

Das oben liegende Furnier ist Starkfurnier. Zum Einleimen nutzte ich entsprechende Gegenstücke.

In den Seitenwangen der Kopfteile waren viele Löcher! Keine Ahnung, was da schon alles angeschraubt und -genagelt war. Die grösseren habe ich mit querholzdübeln, die kleineren mit geschnitzten Holznägeln aus Kirsche verschlossen. Innen habe ich den Aufwand nicht betrieben.

An den oberen Schnecken der Seitenwangen waren etliche Risse zu verleimen. Ein paar Nägel waren auch noch heraus zu experimentieren. Dann war alles soweit vorbereitet um an die Oberflächenbearbeitung zu gehen.

An den vorhandenen Teilen habe ich mit Alkohol 180 Jahre Russ, Haargel, Möbelpolitur und sonstiges entfernt. Da kam einiger schwarzer Dreck zusammen. Die neu gefertigten Ergänzungen habe ich zwei mal mit Tungöl behandelt, geschliffen und danach alles mit Schellackgrundierung eingelassen. Alles wieder geschliffen und einige Tage mit Schellack blond poliert.

Für die Verbindung kommen 14er Verbinder von Festool zum Einsatz. Das Bett steht sehr stabil!

Das neue Kirschfurnier ist natürlich viel heller. Ich habe darauf verzichtet es zu färben. Mit den Jahren wird sich das auf natürliche Weise angleichen. Lediglich die Querholzdübel an den Kopfenden habe ich etwas retuschiert.

Das Innenmass zwischen den Seitenteilen beträgt 86 cm. Dafür gibt es keinen Latterost von der Stange. Dafür habe ich aus Kieferlatten einen Rost zum Aufrollen gefertigt. Fazit: Wieder was fertig!

2 Kommentare zu „Biedermeierbett – Eine Rekonstruktion

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