Ikombe im Juni

Freitag, 22. Juni, Ikombe

Sitze schon wieder am Feuer – was soll man auch tun?
Der Unterboden ist fertig konstruiert!
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Morgen werden wir den Steven (das Ding, was vorn dran ist und die Seitenbretter aufnimmt) zu Ende formen. Dazu musste ein grosser Ast fallen. Von unten sah das Ding etwas besser aus, als beim Behauen. Ich hab ein Stück abgeschnitten, das ich nun in der Flucht neu ansetze. Lang genug war das Ganze.
Am Steven und an den Spanten werden dann die Seitenbretter befestigt. Vorn müssen zwei Winkel geschnitten werden. Das wird zuerst einige Versuche und damit etwas Verschnitt kosten.
Die Spanten sind arg krumm und noch viel zu stark (und schwer). Da muss auch noch gehrig dran gearbeitet werden.

Hier im Dorf gibt es Leute, die Fussball schauen. Da bin ich nachher zum Spiel gegen Griechenland eingeladen. Die Griechen werden mit doppelter Motivation aufspielen.
Viele Griechen werden wohl hoffen, dass den grossmauligen Deutschen die Fresse poliert wird als Revanche für die neoliberalen Ratschläge. Nichts gegen solide Staatsfinanzen und funktionierende Steuerbehörden! Ich hätte auch keinen Königsweg im Kopf.
Aber das Gequatsche von Schwarz-Gelb ist unsäglich!
Bier wird fehlen beim Fussball!

Komme gerade zurück. Flache lange Bambushütte mit Strohdach, davor tuckert ein kleiner Generator. Aber super Empfang! Südafrikanischer Sportchannel. Eintritt 500 Tsh (25 cent).
Kein Bier! Aber gewonnen!!

Donnerstag, 21. Juni, Ikombe

Sitze vor meiner Hütte am Lagerfeuer. Sternenhimmel, der See rauscht heut mild, die BenzinGasLaternen der Fischerboote leuchten auf dem See.

Wir sind die letzte Zeit gut vorangekommen. Am Boden fehlen nur noch vier Bretter. Dann werden wir ein paar offensichtliche Stellen abdichten, bevor der Boden umgedreht wird. Das ganze wiegt jetzt bestimmt schon 10 Zentner!
Auf der Unterseite des Bodens werden wir grob die Unebenheiten weghobeln und dann die Form sägen. Dazu warte ich auf ein Zusatzteil für meine Stichsäge, das Thilo Ende der nächsten Woche aus Deutschland bringt.

Die drei Hilfskräfte benötigen permanente Ansagen. Ich habe ein Einfaches System der Werkzeugordnung eingerichtet. Trotzdem suche ich andauernd was, weils wieder woanders hingelegt wurde.

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Um das Boot herum stehen immer Männer und Kinder. Ich dränge sie regelmässig etwas zur Seite. Manchmal klappt es auch für eine ganze Stunde. Anania, Baraka und Yusta lassen sich auch gern ablenken. Alle haben dann ihre Arme auf dem Boot verschränkt (wie der arbeitslose aus Sachsen Anhalt, der aus dem Fenster schaut) und sind kaum zu stören. Ich werde inzwischen etwas bissiger. Sie sind absolut nicht multitaskingfähig. Entweder quatschen oder etwas tun. Beides zusammen geht nicht.

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Mittwoch, 13. Juni, Matema

Es geht ganz gut voran mit dem Boot. Die ganze länge des Bodens ist sichtbar und sechs von neun Bodenwrangen sind verschraubt. Die teile sind aus einer Art Akazie geschlagen und echt schwer! Man hat etwas Sorge, dass das Boot sehr schwer wird.
Die eineinhalb Zoll Bohlen sind zum Teil etwas verdreht. Zudem sind die alle handgesägt, das bedingt dann Schwankungen in der Stärke einer solchen Bohle, die erheblich sind.
Das Sägen geschieht mittelalterlich über einer Grube, einer steht überm Stamm einer drunter und dann mit einer Brettersäge (lange Schrotsäge) immer gib ihm!
All dies verursacht natürlich Schwierigkeiten beim genauen Arbeiten und dem selbst gesteckten Ziel, das Boot ohne Bitumen oder ähnliches dicht zu bekommen.

In dem Haushalt, der mich versorgt, ist Nachwuchs zu verzeichnen. Der Evangelist ist Vater geworden. Ein winziger Junge. Der Mutter geht es schlecht. Sie hat Magenprobleme und muss andauern k…..
Besuch ist da, und die Frauen und Kinder essen normalerweise vor der Tür, gestern am Fussboden. Die Batterie von der Solaranlage war runter und so saßen alle bei zwei Petroleumfunzeln, die aus irgendwelchen Büchsen zusammen gedengelt wurden, im Halbdunkel. Ich hab mich schnell in meine Hängematte verdrückt.

Montag, 11. Juni, Ikombe

Bin mit einem LKW nach Matema gekommen.
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Unterwegs musste ein Polizist bestochen werden, wir hatten geschmuggelten Zucker aus Malawie an Bord. Der ist ein Drittel billiger als tansanischer.
Dann auch noch die obligatorische Reifenpanne.
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Oben hängt mein Mountainbike

auf dem Weg nach Matema. Hinten die schönen LivingstonBerge:
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Fussball gegen Portugal habe ich auf Eurosport Ticker verfolgt, war zu fertig für den Weg zum puplic viewing.
Sonntag Gottesdienst und Fahrad reparieren. Abends war ich im Cracy Crocodile Camp und habe Kässpätzle mit Rindersteack gegessen. Dazu einen weissen Toll Horse (Giraffe) aus Südafrika.

Heute morgen bin ich nach Ikombe gekraxelt und wir haben am Unterboden weiter gearbeitet.
Es geht voran!

Samstag, 9. Juni, Tanzania, Ipinda

Bin mit der Sonne raus aus Karonga. Wieder unendliches Kindergeschrei die 50 km entlang bis zur Grenze.
Markt am Strassenrand:
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Mobile Bäckerei wie in Brandenburg:
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Sitze kurz hinter dem Grenzübergang. Kilimanjaro schmeckt doch besser als Carlsberg!
Habe neues Visum bis 9. September. Das nächste mal fahre ich nach Zambia.
Mein Hinterteil hat sich noch nicht erholt von der Hintour. Auch Vaseline hilft nicht mehr.
Ich fahre jetzt 11 km nach Kyela um ein paar Unterlegscheiben zu kaufen und dann hoffe ich auf einen Transport nach Matema. Die Schotterpiste wäre die Höchststrafe!

Freitag, 8. Juni, Malawi Koronga

Die heisse Dusche gestern Abend war wie eine Erlösung! Man geniesst die kleinen Sachen.
War früh im Bett und gut geschlafen.

Die Stadt ist nicht sehenswert. Das Ufer des Malawi ist verbaut und kaum erreichbar.
Die Stadt ist weitläufig angelegt, breite Strassen, um den Busbahnhof herum ist es etwas urbaner.
Ich habe eine prepaid sim für das iPad gekauft und dann erfahren, dass das gesamte Internet in Malawi für drei Tage down ist.

Auf dem Busbahnhof hatte ich eine unangenehme Begegnung. So ein Typ Rasterverschnitt mit 3 kg Kette um den Hals machte mich an, ich soll vom Rad absteigen. Ich dachte, es wär ein Schlepper von einer Busgesellschaft und ignorierte ihn. Dann kamen noch ein paar Typen, auch solche mit irgend welchen staff-Westen und versuchten mir zu erklären, dass Fahradfahren auf dem Busbahnhof verboten ist. Sie wollten von mir 500 Kwacha (2$) Strafe haben oder das Fahrrad.
Ich war auf Streit gebürstet und sagte, sie sollen die Polizei holen. Sie zeigten mir ein Schild mit langer Schrift am Eingang, wo angeblich drauf stehen sollte, dass Fahrrad fahren nicht erlaubt ist. Stand da aber nicht. Alles mögliche an Verboten war länglich hintereinander geschrieben.
Ich bin dann einfach losgefahren, die Typen waren etwas ratlos.
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<;;;;;;;;;;;br /

Ansonsten sind die Leute freundlich. Das Kindergeschrei in den Dörfern entlang der Strasse nervt etwas. Hello, Hello, Hello, give money!

Auf dem Busbahnhof sollte ein Laden sein, wo ich evtl eine 21er Nuss bekomme. Ich hab eine auf dem Markt neben an bekommen, die fehlte uns noch beim Werkzeug für das Boot.

Das Land scheint viel ärmer als Tanzania. English dient hier als Verständigungssprache zwischen den vielen Stämmen. Die Läden sind auch alle english beschriftet.
Man sieht Ochsenkarren und mehr Fahrräder als in Tanzania, auch der Polizist lässt sich hinten auf einem Fahrad zur Arbeit fahren. Dafür sind die Räder aufgerüstet mit extra geschmiedeten Gepäckträgern aus starkem Armierungseisen. An den Seiten sind zwei kleine Rundeisen für die Füsse.
Ein Bild zum Schreien, der dicke Polizistenarsch hinter dem dünnen Pedalisten!
Es gibt selten Sprit. Tankstellen sind verwaist und dienen als Platz zum Getreide trocknen. Das passiert auch direkt am Strassenrand auf dem Asphalt und in Haltebuchten. Essen möchte man das nicht, aber man weiss ja nicht, was man vorgesetzt bekommt…
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Ich schlafe vor dem Essen und danach und fahre etwas mit dem Rad herum. Die Knochen können etwas Ruhe mal gebrauchen.
Morgen werde ich gleich mit der Sonne los fahren nach Tanzania.

Donnerstag, 7, Juni, Malawi, Koronga

Der Tag war anstrengend!
Um 7.00 h stand ich an der Ecke und wartete auf den Bus. Halb acht war er noch nicht da. Gegen acht kam ein Minitransporter und bot an, mich mitzunehmen. Auf der Ladefläche lag der Tank. Gegen halb neun – bis dahin war unerklärliches Warten – kam ein anderer LKW. Dann brach Hektik aus. Jeder will natürlich vorn sein, um Fahrgäste einzusammeln. Eine Batterie hatte die Schrottkarre natürlich auch nicht. Anschieben vorwärts und rückwärts. Ich versuchte vergebens, dem Fahrer klar zu machen, dass es besser ist, im zweiten Gang anzuschieben. Die Reifen ohne Profil rutschten über den Sand.
Irgendwann sprang die Karre an und wir fuhren ein paar Kilometer. Dann ging das Ding aus.
Ich sah, dass die Typen anstelle des Tanks einen Plastekanister mit Schnur unter die Ladefläche gebunden hatten. Der Fahrer saugte den Mund voll Spritt und lief damit um den Wagen herum um ihn dann in den Motor zu spucken. Das wiederholte er noch mal. Muss ekelhaft schmecken!
Wir haben das Ding dann auch noch mal zum laufen gebracht – aber nur kurz.
Ich hab mein Fahrad los gebunden und bin los. Das Auto hat mich nicht mehr überholt.

Nach 20 km Schotterpiste bin ich in Ipinda angekommen. Dort habe ich das Rad auf einen Daladala binden lassen und wir waren kurz vor Mittag an der Alphaltstrasse bei Kyela.
Am Grenzübergan schien alles zu laufen, ich hatte meinen Pass mit dem Ausreisestempel schon in den Fingern, da verfinsterte sich das Gesicht des Grenzbeamten. Er hatte doch noch nachgerechnet und gesehen, dass mein Visum abgelaufen ist.
Er bot mir wahlweise eine Strafzahlung von 600$ oder Knast an.

Nach vielem hin und her hab ich ihm 100$ gegeben, damit er mir meinen Pass rausrückt.
Einreise nach Malawi verlief problemlos.
Ich bin das lange sitzen auf dem Rad nicht mehr gewöhnt. Es wurde immer anstrengender in der sengenden Sonne und zum Schluss war das gehen neben dem Rad angenehmer als auf dem Rad.

Hab ein Bungalow für 20$ im MarineClub genommen.
Von Marine ist hier allerdings nichts zu sehen.
Werde heute nicht mehr alt!

Mittwoch, 6. Juni Matema

Bin zurück in Matema. Muss morgen um den See rum nach Malawi. Mein TouristenVisum ist bereits abgelaufen und mein Freund war heute in Dar leider erfolglos. Lauter sinnlose und widersprüchliche Erklärungen. Verschissene Bürokratie in diesem Land!
Werde die erste Strecke schlimme Piste mit dem Bus fahren, mein Rad auf dem Dach.
Dann nach Malawi rüber vernünftige Strasse bis Karonga. 50 km hinter der Grenze am Malawi, wie er dort genannt wird.

Montag, 4. Juni Ikombe

Weiter mit dem Boot. Die sechs Böcke sind fertig, die ersten Bodenbretter sind verschraubt.
Jetzt wirds knifflig.
Heute kamen zwei Hilfskräfte hinzu.
Baraka, ein junger Mann von 20 Jahren und eine Frau, die 45 ist. Den Namen hab ich auf meine Werkbank notiert, ist aber schwer zu merken. Baraka bedeutet auf Swahili Segen. Haraka haraka aina baraka ist ein Sprichwort. In der Hast liegt kein Segen.
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Baraka stellt sich geschickt an, ich glaube, ich kann ihm was beibringen.
Bei der Frau habe ich diesen Eindruck nicht. Aber man kann sich ja irren.

Mein Bruder hat mir eine Rolle gebaut. Damit drücke ich die gehobelten Seiten der Bretter etwas ein und hobel anschliessend noch mal leicht drüber. Die gedrückten Stellen quellen dann im Wasser auf und sollen so mehr Dichtheit bringen. Ein Brett, dass so behandelt anschliessend im Regen lag ist auch ornungsgemäss herausgequollen.

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