In meinem letzten Beitrag meinte ich, Putin liesse in Bezug auf die Ukraine die Muskeln spielen. Inzwischen hielt er eine geschichtklitternde, wirre Rede und leugnete die Souveränität der Ukraine. Die zusammengezogenen Streitkräfte haben heute Nacht die Ukraine überfallen – es ist Krieg!

Ich bin ein paar Tage in Potsdam, da ich mit einem beharrungswilligem Tennisarm nicht wirklich arbeiten kann – sogar das Feuerholz für den Bullerjan zu spalten, fällt schwer. Sonst könnte ich mich in meiner Werkstatt vergraben – laut Frank Zappa hören und Schnaps trinken! Mit meinen Einschätzungen, dass Putin ein rational denkender Mann ist und nicht zu Unfug neigt, lag ich falsch. Ganz falsch! Offensichtlich handelt es sich um nichts weiter als einen durchgeknallten Diktator mit Großmachtsphantasien. Und die restlichen russischen Politiker? Die russischen Generäle? Der weit überwiegende Teil des russischen Volkes? Sie laufen ihm hinterher, jubeln ihm zu und machen wie Gerhard Schröder einen Knicks, wenn er sich herablässt, sich jemandem zuzuwenden. Auf YouTube habe ich vor kurzem Ben Beckers Rezitation des Gedichtes „Meinst Du die Russen wollen Krieg?“ von J. A. Jewtuschenko gesehen. Die Antwort lautet: JA!

Eine ganz große Scheisse ist das!

Junge Männer schiessen sich jetzt gegenseitig mit Waffen aus dem ungelebten Leben; mit Waffen, die oft aus der gleichen Fabrik kommen.

Was kann man machen? Ich bin ratlos…

TitelFoto: Sergei Grits / dpa

Jewgeni Jewtuschenko

Meinst du, die Russen wollen Krieg?

Meinst du, die Russem wollen Krieg?

Befrag die Stille, die da schwieg

im weiten Feld, im Pappelhain,

Befrag die Birken an dem Rain.

Dort, wo er liegt in seinem Grab,

den russischen Soldaten frag!

Sein Sohn dir drauf Antwort gibt:

Meinst du, die Russen woll’n,

meinst du, die Russen woll’n,

meinst du, die Russen wollen Krieg?

Nicht nur fürs eig’ne Vaterland

fiel der Soldat im Weltenbrand.

Nein, daß auf Erden jedermann

in Ruhe schlafen gehen kann.

Holt euch bei jenem Kämpfer Rat,

der siegend an die Elbe trat,

was tief in unsren Herzen blieb:

Meinst du, die Russen woll’n…

Der Kampf hat uns nicht schwach gesehn,

doch nie mehr möge es geschehn,

daß Menschenblut, so rot und heiß,

der bitt’ren Erde werd’ zum Preis.

Frag Mütter, die seit damals grau,

befrag doch bitte meine Frau.

Die Antwort in der Frage liegt:

Meinst du, die Russen woll’n…

Es weiß, wer schmiedet und wer webt,

es weiß, wer ackert und wer sät –

ein jedes Volk die Wahrheit sieht:

Meinst du, die Russen woll’n,

meinst du, die Russen woll’n,

meinst du, die Russen wollen Krieg?

(1961)

6 Kommentare zu „Der irre Mann in Moskau!

  1. Wir müssen dagegen halten!
    Nicht militärisch, sondern indem wir daran arbeiten, längst überkommene Strukturen zu überwinden.
    Z.B. den UN-Sicherheitsrat reformieren.
    Denn seit langem ist klar und auch heute werden wir es wieder erleben: Dieses Gremium ist ein fader Witz der Geschichte.
    Ein Gremium, in dem Kriegsverbrecher Veto einlegen können gegen die Verurteilung ihrer Untaten, ist nicht zielführend.
    Wir brauchen eine andere UN, die demokratisch und am Überleben ALLER Menschen ausgerichtet ist.
    Der Prozess zum UN-Atomwaffenverbotsvertrag ist hierbei für mich ein Hoffnungsfunke.
    Ab heute ist es dringender denn je: Deutschland muss sich diesem Prozess anschließen und kann damit zum Geburtshelfer einer neuen Welt-Friedensordnung werden. Ächten wir alle Versuche durch Massenmorddrohungen und Krieg die Menschheit in Geiselhaft zu halten !

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    1. Leider ist das alles andere als einfach! Denn ein „Wir“ gibt es nicht. Alle haben Interessen – auch die Deutsche Politik muss sehen, wie die Leute ihre viel zu großen Wohnungen viel zu warm kriegen. Die Geduld ist da zu Ende, wo sie anfängt gebraucht zu werden. Wir werden hunderttausende von Flüchtlingen zu versorgen haben – das wird eine große Herausforderung für Europa! Eine gewaltige! Der Sicherheitsrat wird dabei nicht helfen. Das Gremium ist sinnvoll – auch wenn es nicht so funktioniert, wie man sich das wünscht.

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  2. Wenn die Katze nicht zu Hause ist, tanzen die Mäuse auf den Tischen!

    Es gibt noch Hoffnung.

    Warum warnt der lupenreine Tyrann(?):

    „Jetzt ein paar wichtige, sehr wichtige Worte für diejenigen, bei denen die Versuchung aufkommen könnte, sich von der Seite in das Geschehen einzumischen. Wer auch immer versucht, uns zu behindern, geschweige denn eine Bedrohung für unser Land und unser Volk zu schaffen, muss wissen, dass die Antwort Russlands sofort erfolgen und zu Konsequenzen führen wird, die Sie in Ihrer Geschichte noch nie erlebt haben.“

    Er hat meines Erachtens (zu Recht) große Angst vor den vielen offenen Flanken, die er hat. Das sind nicht Polen und die baltischen Staaten. Die Flanken warten im inneren. Da sind die vielen nur scheinbar besiegten, die auf eine selbstgemachte Destabilisierung von Russland nur gewartet haben.

    Was sollte Erdogan jetzt noch abhalten, sich von Syrien zu nehmen, was seines Erachtens zur Türkei gehört?

    Warum sollte Georgien Abchasien sich nicht bei dieser Gelegenheit zurück holen?

    Und da wären noch die vielen Unterdrückten, Aufrichtigen und Unzufriedenen in Belarus, Kasachstan, Tschetschenien u.s.w.. Warum sollten sie nicht die Situation nutzen, um sich der Despoten, die Putin ihnen vor die Nase gesetzt hat, zu entledigen?

    Und schließlich: Die vielen anständigen und intelligenten Russen selber. Die Jungen, die in ihren Urlauben immer wieder am Nektar der Freiheit kosten durften, die sollen jetzt Blutzoll leisten um in die von Putin (einsam) beschlossene Selbstisolation Russlands einzutreten? Ist es gesichert, dass alle benötigten „Kräfte“ auf die Schlachtfelder ziehen, die Schlachtfelder, die sie nichts angehen?

    Hier unterscheidet sich die Situation aus meiner Sicht von der in 33. In Nazideutschland fühlte sich die jungen Erwachsenen durch die Kapitulationsfolgen gedemütigt und hatten wenig wirtschaftliche Perspektiven; eine ideale Suppe, aus der ein Tyrann mit kernigen Worten fischen und auf deren Inhalt er nach Belieben zugreifen kann. Die jungen Russen sind demgegenüber selbstbewusst und an westlichen Standard gewöhnt. Sollen diese alle die von Putin so verstandene persönliche Demütigung zu ihrer eigenen machen?

    Ich kann mir das nicht vorstellen.

    Lass uns einen Wein, keinen Schnaps trinken.

    Jetzt habe ich aber erst eine Telko und muss noch eine andere Sache bearbeiten. Gruß von nebenan Jörg

    >

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  3. Wohl wahr, lieber Rainer Speer, konnten wir uns bisher noch wünschen, dass Putin nicht durchgeknallt ist, dürfen wir es nicht mal mehr hoffen. Aber es kommt ja noch schlimmer: Er hat dabei die Rückendeckung der Chinesen. Was zB heißt: Der Weltsicherheitsrat will sein eigenes Mitglied Russische Föderation verurteilen und China votiert dagegen. Wir erleben in der Tat heute eine Zäsur wie 9/11.
    LG

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