Armenien und Karabach

Mit zwei Freunden bin ich aufgebrochen um zu erfahren, wie es in Nagorno Karabakh (es gibt viele Schreibweisen, im Land sagen sie Arzach) nach vielen Jahren Bürgerkrieg so aussieht.

Der Flug mit Austrians ging über Wien nach Yerevan. Eine aufgeräumte, jung wirkende Stadt mit freundlichen Menschen. Mit einem Offroad-tauglichen Mietwagen machten wir uns nach dem obligatorischen Einkauf auf dem Bazaar auf in den Süden. Zuerst am 5137m hohen Ararat hinter der türkischen Grenze (ein Stachel im Fleische aller Armenier) vorbei nach Armeni in der Weinbauregion. Dort haben wir uns mit Wein und Schnaps eingedeckt.

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Der kleine und der grosse Ararat, Sehnsuchtsberg der Armenier auf türkischem Terrotorium
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60prozentiger aus Espressotassen

Vor dem ehemaligen Grenzübergang zur Aserbaidshanischen Enklave Nachitchevan im Süden gibt es nur noch einen 7 Meter hohen Erdwall. Oben angekommen kann man die früher genutzte Abfertigungsanlage noch sehen, wird aber schnell von Soldaten mit Kalaschnikow im Anschlag zurück beordert. Wir haben beanstandunglos reagiert.

Weiter Richtung Osten in der Nähe der wenig einladenden Stadt Goris befindet sich das älteste Kloster Armeniens in Tatev hoch über einer tiefen Schlucht (Teufelsschlucht). Hier befand sich eine weithin anerkannte Universität von 1390 bis Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts. https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Tatew

Danach ging es durch ein schönes Tal hinein nach Karabach. Der Grenzbeamte sehr freundlich und bemüht half uns (und wir ihm) beim Ausfüllen der Papiere. Irgendwann kam er mit neuen Formularen, waren zuerst die falschen. Offensichtlich macht er das nicht so oft. Die Einheimischen fuhren mit kurzem Hupen und Grüssen durch – interessierte aber nicht wirklich jemanden…

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die rechte Fahne ist die von Karabach, praktisch die armenische mit einem weissen Rechteckmuster drauf

Zuerst fuhren wir nach Shushi. Das ist ein Ort den die Aserbaidshaner im letzten Krieg am längsten gehalten haben. Am 9.Mai feiern die Armenier neben dem Sieg über NaziDeutschland im Zweiten Weltkrieg die Einnahme von Shushi im Jahr 1992. Der Ort liegt hunderte Höhenmeter über der Hauptstadt Stepernakert und ist somit gut für die Artellerie geeignet. Man spürt der Stadt regelrecht an, dass sie über Jahrhunderte geschunden wurde. https://de.wikipedia.org/wiki/%C5%9Eu%C5%9Fa

Blick über Stepernakert

Hier haben wir unterhalb der Strasse auf einem klein Plateau am Fluss gezeltet. Das Auto kam dort erstmals an seine Grenzen. Alle Überbleibsel, die wir bemerkten, lassen vermuten, dass dort ein militärisches Camp war. Einheimische hatten uns aber versichert, dass dort mit Mienen nicht zu rechnen ist.

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Die Blicke durch die riesigen, sehr dünn besiedelten Täler zu den weit gelegenen Gebirgszügen in der Türkei, im Iran und in Armenien sind atemberaubend!

Nach Stepernakert wurde uns von Outdoorfreaks empfohlen in die Nähe des Klosters Gandsassar https://de.wikipedia.org/wiki/Gandsassar zu fahren. Auch dort fanden wir einen guten Platz für die Zelte am Fluss.

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Nach Norden ging es weiter durch den kleinen Kaukasus an einem vollkommen leer gelaufenen Stausee (Folge des Krieges?) vorbei durch unansehnliche Ansiedlungen und bewusst liegen gelassenem Kriegsgerät in ein Tal hinein immer den Fluss hinauf. Dort in Zuar – hiess es verheissungsvoll – würden wir heisse Quellen finden.

In Zuar (nur ein paar Häuser) gelangten wir an eine wirklich heisse Quelle mit 62 Grad Celsius direkt neben dem Fluss. Man hielt es nur ein paar Sekunden in der direkten Quelle aus.

Ein paar hundert Meter flussaufwärts haben wir unser Lager aufgeschlagen.

Zurück nach Armenien über den SotkPass mit über 2500m vorbei an unvorstellbar riesigen Abraumhalden einer gleichbenannten Goldmine runter an den SewanSee – ein Stück Stolz der Armenier. https://de.wikipedia.org/wiki/Sewansee

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Zurück in Yerevan haben wir das Mahnmal Tsitsernakaberd besucht. Es erinnert an den Genozid an den Armeniern im Jahr 1915. Die Deutschen (als Verbündete des Osmanischen Reiches im ersten Weltkrieg) habe dabei eine unrühmliche Rolle gespielt.

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Als wir mitten in der Nacht zum Flughafen fuhren waren wir uns einig: Armenien mit Karabach ist ein sehr schönes Land mit freundlichen und offenen Menschen. Eine Reise wert!

2 Antworten auf „Armenien und Karabach

    1. Ja, klar 1915. Hab ich geändert. Die gegenseitigen Verfolgungen und Meucheleien begannen allerdings weit früher und flammen in anderer Dimension, wenn auch nicht weniger grausam bis in die Jetztzeit immer wieder auf.

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