August – es muss rangeklotzt werden!

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Der August hat begonnen. Ich fange an, die Wochen rückwärts zu zählen.
Nicht, weil ich unbedingt nach Hause will (darauf freue ich mich auch) sondern weil noch so viel zu tun ist. Es sind vier Seitenplanken montiert, ein vielfaches muss noch ran.
Schleifen und Streichen wird schnell gehen, aber vielleicht muss es ja noch mal aus dem Wasser geholt werden, um grobe Leckstellen zu dichten.
Den Aussenborder müssen wir aus Matema über den See transportieren und in Gang setzen. Ich will ihn auch noch einfahren.
Es ging mal zügiger als erwartet mit dem Bootsbau und dann auch wieder schleppend. Momentan schleppt es.
Die Planken haben viele schlechte Stellen, zu viel Splint oder sind gerissen. Gestern ist eine nach dem Ablängen einen halben Meter von der Schnittstelle her mittig aufgerissen. Wir haben es geleimt, ich werde gleich noch hinten quer was gegensetzen. Wenns verbaut ist, hält das dann. Aber so was kostet Zeit!

Freitag, 3. August, Ikombe

Heute lief es ganz ordentlich. Haben drei Planken vorbereitet, Verschraubt und geleimt.
Zehn Stück sind jetzt dran. Wenn ich richtig gerechnet habe, fehlen noch circa 50.
Da die Zahl der Schraubzwingen und Spanngurte limitiert ist, werden wir nicht mehr als zwei pro Tag schaffen.
Ich habe Anania und Baraka davon überzeugt, morgens nicht zum Fischen rauszufahren. Ich gebe ihnen das Geld, dass sie Fisch für ihre Familien kaufen können. Das wird nochmal einen Schub geben.

Gestern in der Früh auf dem Weg von Matema nach Ikombe habe ich in den Bergen einen lustigen Typen getroffen. Ein Verschnitt aus Bob Marlay für Arme und Hermann Hesse. Ihr werdet das Foto sehen. Diese Rastertypen gibt es hier in jeder Gegend. Handeln meist mit Kunsthandwerk, bastel Ketten und Armbänder, Zeug für Touris. Der hier hat nach eigenen Angaben noch eine zweite Profession: King of Jokes!

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Mittwoch. 8. August Ikombe

Gestern und heute lief es gut. 20 Planken müssten dran sein. Sieht richtig nach Boot aus und ist sehr stabil.
Gestern Abend überkam mich nach dem Schwimmen starker Schüttelfrost. Ich habe im Bett mit allen Sachen gelegen und gebibbert. Heute war dann der Dünnpfiff da. Der ganze Unterleib rebelliert. Jetzt geht es wieder halbwegs. Mein Medizinpack ist in Matema. Ich hielt mich für unkrankbar…

Wochenanfang habe ich eine mail bekommen aus dem Berliner Missionswerk. Da liegen Rechnungen von mir rum, für Sachen, die ich hier fürs Boot gekauft habe. Die liegen da schon lange. Ich wurde gebeten Geduld aufzubringen – die lerne man doch in Afrika.
Das veranlasst mich, etwas über Geduld nach zu denken.

Im Februar ist mein Antrag für ein Resident Permit fertig gemacht worden. Viel Papier für sinnlose Bürokratie, selbst alle leeren Seiten des Passes mussten kopiert und beglaubigt werden.
Dieses Paket landete dann in Tukuyu, dem Sitz des Bischoffs der Diozöse Konde. Nach dem die es nach vielem Nachfragen fertig gebracht haben, das zur nächsten Kirchenbürokratie in Dar zu schicken, war es dort verschwunden. Angeblich lag es im Office des Postzustellers.
Inzwischen war ich schon in Tansania und habe die ersten sinnlosen 50 $ für ein Touristenvisum bezahlt.
Sollte ich nun Geduld lernen?
Oder reden wir eigentlich überGleichmut?
Oder reden wir sogar ber Gleichgültigkeit?

Ich habe in Dar angerufen bis Mama Setonga aus dem Kirchlichen Serviceamt der Lutheraner den Service für mich einschränkte und meine Nummer dauerhaft unterdrückte. Ich habe den Bischoff angerufen, der seit einigen Monaten zurückrufen will… Lerne ich so Geduld?
Nein! Ich bin voller Groll auf die verschissene Bürokratie, ein Haufen korrupter und unfähiger Leute!
Den Generalsekretär der Diozöse hab ich zwei mal aufgesucht. Ein geschniegelter Typ im Nadelstreifenanzug. Wollte natürlich auch zurückrufen…
Diese Gestalten stellen sich hier mit dem Geld aus Europa und Nordamerika ausserhalb der Gesellschaft, fahren mit dicken Autos und sind ständig im Ausland. Und das Land geht vor die Hunde. Sollte ich so Geduld lernen?

Ich war auch im Innenministerium, im Immigration Office Headquarter. Zwei mal ergebnislos
Stunden verbracht. Lernt man so Geduld? Beim zweiten Mal hab ich auch die 550$ Gebühr für das Permit eingezahlt. Dazu musste ich ein mal quer durch Dar. Nur bekommen habe ich es nicht, weil irgend eine Verbindung zwischen Bank und Ministerium nicht funktionierte.

Später an der Malwischen Grenze bot mir ein freundlicher Beamter an, 600$ zu zahlen oder in den Knast zu gehen. Mein Visum war nach drei Monaten abgelaufen und ich war zwei Tage zu spät, weil ich das Wort eines Immigration Officers hatte. Das war auch nichts Wert. Habe ich doppelt gezahlt: die „expressGebühr“ in Dar (ein wirklicher Witz!) und den verschissenen Grenzbeamten musste ich natürlich auch bestechen. Dazu dann noch mal 50$ für ein Touristenvisum.

Mein zweites Visum läuft in einem Monat ab. Ich höre nichts aus Dar, ich höre nichts vom Berliner Missionswerk. Auch dort hatte ich gebeten in Dar nach zu fragen.
Anfang Mai habe ich eine email an den Botschafter auf dem offiziellen Formular der deutschen Botschaft in Dar geschrieben. Ich habe bis heute nicht mal eine Eingangsbestätigung erhalten!
In Dar hab ich die Botschaft aufgesucht. Eine Mitarbeiterin erklärte zu meinem Problem, man respektiere sich gegeneinander… Die inneren Angelegenheiten eines Landes gehen sie nichts an. Hat diese Frau Geduld gelernt?

Ich habe zu all dem keine Geduld! Mich kotzt das an!

Trotzdem bin ich gern hier! Weil die einfachen Menschen so toll sind!

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Montag, 13. August, Ikombe

Ich habe aufgehört zu zählen. Die Hälfte Aussenhaut müsste fertig sein. Es kommen nun viele knifflige Stellen. September schwimmt der Kahn!
Wir haben viel Spass bei der Arbeit. Den ganzen Tag wird gescherzt. Die Szene feiert jedes mal, wenn ich anfange zu Musik aus meinem kleinen Radio zu tanzen. Wir hören den ganzen Tag KyelaFM, so ein Lokalsender mit taffen DJs.

Ansonsten gilt:“Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“ sowie : „Die Rente ist sicher!“

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Donnerstag, 16. August, Ikombe

Wir schaffen jetz am Tag zwei oder drei Planken. Dann ist auch körperlich die Grenze erreicht.
Die Seitenflächen sind gut gefüllt. Der Abschluss oben sollte relativ einfach werden.
Wir haben zwei Schnüre gespannt für die Höhe der Planken. In der Höhe werden die Spanten im Winkel abgeschnitten. Darauf werden Sitzplanken montiert. Die geben noch mal reichlich Stabilität zu den Seiten. Aussen läuft dann noch ein Brett um, auf dass die Bordleiste gesetzt wird.
Unten zwischen Boden und Seitenplanken muss sehr viel angepasst werden. Ist eine unangenehme Bauhöhe. Werde ich wohl viel auf dem Schotter sitzen.
Meine Hose ist vorn schon an einigen Stellen durch. Mehrere Unterhemden, die ich als Arbeitshemden benutze, bestehen nur noch aus Löchern. Das Holz ist nach dem Bearbeiten sehr scharfkantig.

Sonntag, 19. August, Matema

Sitze mit Zigarre und Glenfiddich vorm Bungalow. Der See tobt. Angenehme Temperatur.
Gestern bin ich mit dem Sonnenuntergang durch die Berge nach Matema gekommen.
Beim Chief gab es Fisch. So ganz kleine schmale. Man isst sie ganz. Der Kopf soll besonders gut schmecken. Also hab ich sie auch ganz gegessen. Ernähren sich ja auch nur von den Früchten des Sees…
Heute fahr ich obligatorisch zum CrazyCrokodileCamp, werde ein Sandwich essen und eine Flasche Weisswein kaufen. Die Hälfte davon geht ins Huhn, was ich heute Abend beim Chief zubereite. Die andere Hälfte kommt in meinen Hals!
Die Woche lief sehr gut. Wir kommen mit den Planken oben an. Sieht sehr gut aus!!
Noch mal sechs Tage und wir kommen ans finish. Das wird länger dauern. Das Ding unten dicht zu kriegen, davor graut mir. Pole, Pole! würde der Tanzanier sagen. Pole, Pole! sag auch ich.

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Freitag, 24. August 2012 Ikombe

die erste „Schlussplanke ist eingepasst!

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