Ein Gastbeitrag von Johannes Scholz
Etwas über ein Jahr ist es her – ein konspirativer Abend im Rahmen der DAV-Kultur, da sagte eine Freundin zu fortgeschrittener Stunde: „Du möchstest Möbel bauen? – Ich könnte ein schönes Möbel brauchen…“.
Und da stand es im Raum – ein großes Wort gelassen ausgesprochen – „ein schönes Möbel“, das liegt vor allem im Auge des Betrachters und dem sind bekanntlich wenig Grenzen gesetzt.
Dann vergingen ein paar Monate bis es zeitlich passte und wir uns einig wurden. Und wie es der Zufall wollte, bezieht auch mein zweites beschreibenswertes Möbel im weitesten Sinne die Musik mit ein. Später soll das Sideboard unzählige Instrumente beherbergen, die bislang ein Dasein unter dem Bett finden, so sie nicht bespielt werden.
Wir begannen ein Möbel zu entwickeln, dass in unseren Augen dem Anspruch „schön“ entspricht, allerdings nicht ohne den eigentlichen Nutzen außer Acht zu lassen. Doch bis es soweit ist, folgen viele Zwischenschritte, der Zweck war schnell beschrieben, Maße festlegen, erste Skizze, entscheiden wie weiter… Holz auswählen, wieder visualisieren. Eine kurze Zusammenfassung vor Beginn:
- Sideboard mit Rollo-Schiebetüren
- Breite 2 m
- Design: schlicht
- Holz: amerikanische Walnuss
Der Start
Ein gemeinsamer Besuch beim Holzhändler verschafft die letzte Bestätigung, dass das Sideboard in Walnuss ausgeführt sein soll, aus Vollholz und mit markantem Furnierbild auf der Front.

Ein geteiltes, außen umlaufendes Rollo mit durchgehendem Furnierbild ist das dominierende Designelement. Dem ordnet sich die gesamte Konstruktion unter. Bis wir das erarbeitet hatten, vergingen wieder ein paar Wochen, das nennt man wohl Entstehungsprozess – ich war froh drum, denn lieber einmal etwas länger geplant als hinterher geärgert.






Die Grundelemente Bodenplatte und Deckel aus Vollholz waren schnell verleimt und formatiert. Die Seitenwände und die Einlegeböden aus Kiefer sind mit Sperrfurnier und Funier belegt. Die mechanische Funierpresse funktionierte dazu bestens.
Für die Stabilität des Bodens habe ich mich gegen eine Zarge entschieden und stattdessen drei stabile Gratleisten eingenutet, die mit den Füssen verbunden sind. Als Designelement nehme ich hier das Runde wieder auf und entscheide mich für gedrechselte Füße. Die innenliegenden Seitenwände werden ebenfalls über Gratnuten mit Boden und Deckel vebunden. Soweit die grundlegenden Arbeiten…




Zur Führung der Rollos im Boden und im Deckel werden deckungsgleiche umlaufende 6 mm breite Nuten gefräst. Die Nuten werden in den engen Kurven etwas breiter ausgeführt, um später die Reibung zu verringern und etwas breitere Lamellen zu ermöglichen. Um ein Gefühl für das fertige Ergebnis zu entwicklen, wird erst einmal ein kleiner Prototyp aus Kiefer gefertigt.





Das Rollo
Der Teil hat mir Kopfzerbrechen bereitet, nicht das es keine Informationen oder Anleitungen dazu geben würde – im Netz findet sich sowas; am Ende nichts Bedeutendes auf das man nicht selbst auch kommt. Doch ob es klappt so viele Lamellen zu einen Rollo zu verbinden, war nicht klar. Die Idee war ein komplett ungestörtes Furnierbild zu erzeugen, also ohne einen Verlust durch die Stärke eines Sägeschnittes.
Als erstes mussten Leisten gesägt werden – viele Leisten. Aus gut 50 Kanthölzern entstanden 150 Lamellen mit 20 x 8 mm. Das ergibt 75 Lamellen je Seite.




Um das einheitliche Furnierbild zu erzeugen, werden die Leisten in einen Rahmen gezwungen und einseitig mit einem Furnierblatt in der Presse verleimt. Und dann folgt der Teil, von dem ich nicht wusste, ob es funktionieren würde. 19 Leisten werden von einen Funierblatt zusammengehalten und müssen wieder getrennt werden – der Schritt erfolgt durch ein leichtes Aufbiegen zwischen den Leisten und ein Schnitt mit dem Skalpell.

Das Schneiden hat größtenteils gut funktioniert, nur an wenigen Stellen entstehen Fehlstellen im Furnier die wieder angeleimt werden müssen. Es dauert eine Weile bis alle furnierten Leisten wieder vereinzelt und beschriftet sind. Jetzt werden spiegelbildlich jeweils vier Furnierblätter aneinander gereiht, in einer großen Vorrichtung gespannt und auf der Rückseite mit schwarzem Stoff verleimt. Der Stoff verbindet sie einzelnen Leisten und ermöglicht die notwendige Flexibilität beim Öffnen und Schließen.



Die letzten Feinarbeiten folgen, Oberflächen hobeln, Griffmulden fräsen, die Montage der Rückwand, das Anpassen und Einsetzen der Rollos und die Oberfläche mit unserer Eigenkreation aus Öl und Wachs.




Der Zusammenbau
… ein weiterer heikler Punkt – funktioniert recht gut, nachdem die Gratleisten nachgearbeitet sind. Alleine wäre die Montage wohl schwierig geworden.
Damit die Rollos nahezu reibungsfrei in den Nuten laufen, werden die Nuten und Stege mit flüssigem Kerzenwachs eingepinselt; das klebt nicht, härtet nicht aus und sorgt für eine wunderbare Gleitwirkung. Nach dem Einsetzen der Rollos nimmt das Sideboard seine eigentliche Gestalt an, das Furnierbild kommt sensationell zur Geltung und das Rollo gleitet geschmeidig um die Kurven – so lassen sich Instrumete stilvoll aufbewahren.





Die Belegung der Werkstatt ist unlängst thematisiert worden, die ganze Werkstatt habe ich sicher nicht in Anspruch genommen und so gut wie möglich versucht, alles wieder beiseite zu räumen – am Ende verging einige Zeit mit dem Räumen der Einzelteile. Und erst die vielen feinen Details und Varianten der Bearbeitung ermöglichen den Bau eines solch aufwendigen Möbels.
Ich befürworte ja schon seit längerem eine Vergrößerung der Werkstatt, da das hantieren mit größeren oder mehreren Bauteilen sehr beschwerlich ist. Aber bei den gegebenen Umständen ist alles gut so wie es jetzt ist – klein und fein – so verbringe ich sehr gerne meine Zeit mit dem Bau von schönen Möbeln.
Viel Freude beim Lesen und besten Dank für die Unterstützung, die Inspiration und das Vertrauen!
Beeindruckend, wie viel Planung, handwerkliches Können und Geduld in einem einzigen Möbelstück stecken können. Gerade die vielen Details bei Konstruktion und Oberfläche machen deutlich, welchen Wert individuell gefertigte Möbel haben. Bei einem Umzug Luzern zeigt sich dann auch, wie wichtig ein besonders sorgfältiger Transport solcher Stücke ist.
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