In meine Werkstatt gelangte ein Gründerzeittisch in Eiche Massivholz und Eiche Furniert. Dieser Tisch ist nach jeder Seite zwei mal ausziehbar und erreicht ausgezogen stolze 4 Meter.

Durch Feuchtigkeitseinwirkung und jahrzenhntelangem Gebrauch war das gute Stück mitgenommen. Die obersten Platten sahen aus wie Waschbretter, kleine Furnierstellen fehlten und in der Mitte der einen Platte hob sich sogar das Unterholz. Das ist das Problem! Hier ein Foto des Casus:

Die Platten sind aus drei Schichten verleimt und beidseitig furniert. Von Oben war nicht ohne Zerstörung des Deckfurniers an die gelöste Stelle heran zu kommen. Ich habe das genau untersucht, und festgestellt, dass die Ablösung zwischen der oberen und mittleren Lage der Trägerplatte zu verorten ist. Die Lösung: Mit einem 8er Bohrer und Tiefenanschlag habe ich von Unten durch die zwei Schichten gebohrt. Dabei merkte ich, dass ich einen Hohlraum erreiche. Zehn Löcher wurden im Abstand von 5cm gesetzt und anschliessend Glutinleim eingebracht.

Der Leim floss da munter rein. Danach kam das in die Presse. Nach 24 Stunden sah das so aus, wie ich es haben wollte!

Um die losen Furniere wieder fest zu bekommen musste ich Zulagen (zum Wärmen) für meine Presse herstellen. Vor ein paar Jahren habe ich in einem Schrottcontainer an der AVUS ein Baustellenschild aus Alublech entdeckt. Da war der Bundesadler drauf mit dem Schriftzug BUNDESREPUBLICK DEUTSCHLAND und daneben hatte sich noch das Land Berlin verewigt. Ich dachte mir, das kannst Du mal gebrauchen und hab es mitgenommen. Das stand jetzt Jahrelang vor meiner Werkstatt und führte zu großen Augen meiner Besucher. Nun wurde es gebraucht. Ich habe zwei Meterstücken abgesägt. Eines dieser Zulagen habe ich mit sechs Wärmefolien beklebt und das Ganze verkabelt. Eine solche Folie hat 65 Watt und heizt bis zu 90 Grad. Ideal für meinen Zweck!

Die zweite Platte kam darunter und die Holzzulage oben drauf, bis das ordentlich durchgewärmt war. Davor habe ich das Furnier längere Zeit befeuchtet und wo es ging mit einer Spritze dünnflüssigen Hautleim unters Furnier gebracht. Nachdem das Paket genügend warm war (60/70 Grad) kam das ohne die Wärmeplatte zügig in die Presse. Für beide Platten waren vier Durchgänge nötig, einen Durchgang habe ich wiederholt, weil ich mit dem Ergebnis noch nicht zufrieden war. Nun sind die beiden Platten wieder hinreichend eben, so dass ich sie nach der Ausbesserung von einigen Fehlstellen schleifen konnte. Um die unterschiedlichen Farbtöne anzugleichen habe ich das mit Salmiakgeist behandelt. Danach mit Tungöl behandelt und mit Schellack dünn poliert.

Der Unterbau des Tisches war sehr wackelig. Mit einiger Mühe konnte ich die Beine zerlegen und auf der Drechselbank leicht überschleifen und mit Schellack leicht polieren.

Die Auszugsmechanik an diesem Tisch ist sehr beeindruckend. Wenn man die Auszugsplatten heraus zieht, fahren die leicht nach oben und bilden jeweils die Ebene mit den Deckplatten. Bei den äusseren Platten klappen beim ziehen langsam Zusatzbeine nach unten, die beim Einschieben selbsttätig wieder einklappen. Das alles mit einfachen Eisengestängen und Scharnieren.

Die einfachen Auszugsplatten bestehen aus massivem Kiefernholz. Die habe ich lediglich etwas geschliffen, den Farbton aufgefrischt und geölt. Die wurden früher nur zu Familienfesten genutzt und dann kam auf die Festtafel eine Tischdecke. So wird das auch in Zukunft sein.

Die Mechanik habe ich gereinigt und geölt, das Untergestell verleimt und nun kann das gute Stück abgeholt werden.

7 Kommentare zu „Problem? Lösung!

  1. Du wirst mir unheimlich….. was Du alles kannst?!!!
    Solche Wärmeplatten hab ich noch nie gesehen. Wo kauft man sowas und vor allem, wofür braucht man die Dinger normalerweise?

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    1. Wärmezulagen gab es früher in jeder Tischlerei. Meistens aus Zink. Die lagen den ganzen Tag auf einem dafür konzipierten Ofen. Zur flächigen Verleimung von Furnier mit Glutinleim braucht man das.

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      1. Selbstklebend? Die klebt dann nur 1x. Nach dem abziehen bleiben doch Holzfasern auf der Folie zurück. Oder täusche ich mich da?
        Wie bleibt die Klebefläche weiter gebrauchstüchtig?

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      2. Ich habe das auf eine der Alubleche geklebt und hoffe, dass das dauerhaft klebt. Das ist die Heizplatte die die Zulage heizt. Der Aufbau zum Heizen sieht dann so aus: furnierte Platte, Aluzulage, Heizplatte, Holzzulage. Das wird dann alles durchgewärmt, dann ziehe ich die Heizplatte raus und schiebe den Rest in die Presse bis das wieder kalt ist. Habe mich vielleicht falsch/unklar ausgedrückt. Gruss nach Bayern!

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